Stefan Draschan, F. Hals, Gemäldegalerie, Berlin 2022
Stefan Draschan, F. Hals, Gemäldegalerie, Berlin 2022

Werk des Monats März 2026: Stefan Draschan, F. Hals, Gemäldegalerie, Berlin 2022 

Der österreichische Fotograf Stefan Draschan, selbst leidenschaftlicher Museumsgänger, erkennt mit geübtem Blick sofort die Museumsbesucher_innen, die auf ungewöhnliche Weise eine Symbiose mit Gemälden eingehen könnten.

Auf seinen stundenlangen Streifzügen durch europäische Ausstellungshäuser verbindet er in seinen Aufnahmen Menschen mit Kunstwerken. Kleidung, Gestik oder Frisur harmonieren in seinen Fotografien auf besondere Weise mit den Gemälden. Sein Ziel ist es dabei stets, das perfekte Bildpaar zu finden. Dabei hat Draschan häufig bereits ein bestimmtes „Match“ im Kopf und hofft, dass die jeweiligen Besucher_innen genau vor diesem Bild stehenbleiben.
So auch in diesem perfekten Zusammenspiel: Vor dem Gemälde „Knabe mit Flöte“ von Franz Hals, welches in der Berliner Gemäldegalerie zu finden ist, steht ein Herr, dessen Gestik der des Knaben auf der Malerei verblüffend ähnelt.
Das Brustbild aus dem 17. Jahrhundert zeigt einen Knaben, der in seiner rechten Hand eine Flöte hält. Seine linke Hand ist mit angewinkeltem Arm nach oben gestreckt, wobei die offene Handfläche nach vorne zeigt und die Finger nach oben gestreckt sind. Der Kopf ist zu seiner Rechten gedreht, sein Blick nach unten gerichtet. Der Knabe trägt einen bräunlichen Mantel und ein graubraunes Wams, die beide eher schlicht wirken. An seinem Kopf ist eine üppige Feder befestigt, die schwungvoll über den Kopf reicht und die Aufmerksamkeit aufgrund ihrer hellen Farbe auf sich zieht.
Der Herr, der auf Draschans Foto vor dem Gemälde steht, gleicht dem Knaben mit der Flöte verdächtig. Auch er trägt einen schlichten dunklen Pullover. Durch seine weiß-grauen Haare ergibt sich eine schöne Korrespondenz zu der Feder des Knaben. Zu allem Überfluss hebt der Herr vor dem Gemälde ebenfalls seine Hand mit ausgestreckten und gespreizten Fingern nach oben, vermutlich um sich den Kopf zu kratzen.
Stefan Draschan hat sich mit seinen einzigartigen Fotografien einen Namen gemacht. Durch seine Serie „People Matching Artworks“ ist er vor allem in den sozialen Netzwerken bekannt geworden. Dabei spielt Ironie eine entscheidende Rolle. Draschan betont, dass die Muse seiner Werke der pure Zufall sei. Schaut man sich die Werke allerdings genauer an, so erkennt man, dass diese keineswegs Schnappschüsse sind. Draschan hat ein sensibles Gespür für den perfekten Moment, welcher bereits von Henri Cartier-Bresson als Moment Décisif charakterisiert wurde.
Sie wollen mehr Werke von Stefan Draschan entdecken? Noch bis zum 15.03. gibt es dazu im Suermondt-Ludwig Museum die Gelegenheit. Die dort präsentierte Ausstellung „11 Sekunden“ war Teil des Fotografie-Festivals der StädteRegion im vergangenen Jahr.